Schulassistenz

Informationen zur Schulassistenz  
für Kinder und Jugendliche mit einer Behinderung aus dem autistischen Spektrum


Mit Beginn des Schuljahres 2011/12 bietet autismus Saarland e.V. mit der autismusspezifischen Schulassistenz nun ein weiteres Leistungsangebot zur Förderung und Verbesserung der Situation autistischer Menschen an.

Zunächst konnte die autismusspezifische Schulassistenz unter der Leitung des Autismus-Therapie-Zentrums Saar mit drei Maßnahmen im Landkreis Saarlouis gestartet und erprobt werden, bevor das Angebot betrieblich im Verein angesiedelt wurde. Die fachlich –inhaltliche, wie auch supervisorische  Zusammenarbeit und Begleitung der Schulassistenz durch das Therapeutenteam des Therapiezentrums, bleibt weiterhin bestehen, was ein besonders wichtiges Qualitätsmerkmal der spezifischen Schulassistenz für autistisch behinderte SchülerInnen darstellt.   

Autismus und Schule

Nicht selten benötigen Kinder und Jugendliche mit einer Behinderung aus dem autistischen Spektrum zuzüglich zur spezifischen therapeutischen Versorgung (Förderung) komplementäre Unterstützungsleistungen zur Stärkung, respektive Verbesserung ihrer Teilhabesituation.

Eltern haben nicht die Möglichkeit Ihr Kind einer spezifischen, auf die autistische Behinderung spezialisierten Förderschule zuzuführen. Keine bestehende Schulform (auch keine Förderschule) hält entsprechende Maßnahmen im Sinne eines Nachteilsausgleichs für diese Kinder vor, der kompensatorisch den durch den Autismus bedingten Kernsymptomen gerecht wird, damit sie am Sozialgefüge Schule, Schulklasse und Unterricht überhaupt sinnvoll teilhaben können.

Die meist große Diskrepanz zwischen für Schule vorausgesetzten und tatsächlich vorhandenen sozialen und kommunikativen Kompetenzen und Bedürfnisse der autistischen Kinder führt zu gegenseitigem Unverständnis, inneren und äußeren Spannungen und Konflikten zwischen den Betroffenen, ihren Lehrern und MitschülerInnen.

Der Schulalltag stellt demnach SchülerInnen mit Autismus und alle Mitbeteiligten meistens vor schier unlösbare Probleme, die immer wieder zentral an der Nahtstelle des zwischenmenschlichen Miteinanders in kommunikativen Zusammenhängen entstehen. 

Für Menschen mit Autismus ist es nicht selbstverständlich, insbesondere die soziale Welt um sie herum zu verstehen und so zu interpretieren, wie wir „nicht Autisten“ emotionale und soziale Signale verstehen. Autistische Menschen sind deshalb eine sehr lange Entwicklungszeit, manche auch lebenslang, auf „Übersetzer“ angewiesen, die ihnen helfen die Welt um sie herum zu verstehen damit sie auch entsprechend handlungsfähig  sein können.

Die Autistische Behinderung ist sehr komplex und für den autistischen Menschen selbst sowie für seine Bezugspersonen sehr problematisch, da insbesondere die interaktiven, kommunikativen und sozial-emotionalen Bereiche der menschlichen Entwicklung mehr oder weniger stark beeinträchtigt sind. Missverständnisse, gerade im „sozialen Minenfeld Schule“  sind deswegen ständig vorprogrammiert und führen häufig zu erheblichen Krisen. Autismus gilt in Fachkreisen als eine der schwerwiegendsten Mehrfachbehinderungen, deren Folgen sich zentral und meist sehr dramatisch an der Nahtstelle des zwischenmenschlichen Miteinanders zeigen.

Besonderheiten autistischer Menschen, die deren Eingliederung in das Sozialgefüge Schule erschweren, gefährden oder verhindern:

  • Einschränkung in der Wahrnehmung bzw. verändertes Wahrnehmungsbewusstsein.
  • Kommunikationsbesonderheiten, Kontakt-, Interaktions- und Kooperationsprobleme
  • Verhaltens- und Lernbesonderheiten, (Schwierigkeiten mit Lernangeboten, Aufbereitungen), veränderte Reizverarbeitung
  • Mangelnde oder gar fehlende soziale Orientierungsfähigkeit
  • Mangelnde oder gar fehlende Kontakt- Interaktions- und Kooperationsbereitschaft
  • Schwierigkeiten bis hin zum kompletten Missdeuten sozialer und emotionaler Signale „Farbenblindheit für soziale und emotionale Reize“, fehlende Empathie, eingeschränkter Verhaltenskodex im Umgang mit Anderen
  • Umgang mit unstrukturierten Zeiten oder „Offenen Angeboten“ ( Pausensituationen, Werken, Kochen Arbeitsgemeinschaften, Sport bzw. Gruppenspiele)

Schule basiert auf sozialer Interaktion. Aufgrund der Behinderung kann das Kind diese nicht erbringen, die Schule kann sie wiederum nicht leisten, weil sie nicht auf Autismus vorbereitet ist. Mit einer kurzfristigen Änderung dieser Situation ist nicht zu rechnen.
Um eine direkte Umsetzung des Rechtes auf Beschulung auch für autistisch behinderte Kinder zu gewährleisten, kommt dem Schulbegleiter eine vollkommen andere Rolle zu als bei jeder anderen Behindertengruppe.

Die autismusspezifische Schulassistenz

Besonders in den gesellschaftlich relevanten Bereichen von Erziehung und Bildung, d.h. konkret in Schule, sind in der Regel gezielte, komplementäre Assistenzhilfen in Form einer spezifischen Schulassistenz (Schulbegleitung) über einen gewissen Zeitraum ergänzend notwendig.   

Schülerinnen und Schüler mit einer autistischen Behinderung benötigen diese komplementären Assistenzhilfen besonders, weil sie sich grundlegend unterscheiden von allen anderen SchülerInnen, auch von denen mit anderen Behinderungen.

De facto ist der Schulbegleiter keine reine Begleitung und Hilfestellung sondern vielmehr ein Sozialcoach und Übersetzer, Mittler zwischen Schüler und Schule, um überhaupt den für die Bildung essentiell notwendigen Dialog möglich zu machen.

Diese besondere Rolle, Funktion sowie das Aufgabenspektrum der Schulbegleitung bei SchülerInnen mit Autismus erfordert ein eigenes Konzept der Integrationshilfe. Aus diesem Grund bietet autismus Saarland e.V. mit dem Konzept der Schulassistenz für Kinder und Jugendliche mit einer Behinderung aus dem autistischen Spektrum eine behinderungsspezifische Integrationsleistung an. Sie basiert auf der Arbeit mit pädagogischen Fachkräften. Grundsätzlich erforderlich ist eine pädagogische Berufsausbildung oder ein vergleichbares Studium. Zudem erforderlich ist eine auf das Behinderungsbild Autismus ausgerichtete Fachlichkeit, Belastbarkeit sowie eine klare persönliche Eignung.

Weiterer essentieller Bestandteil des Konzeptes ist die Verzahnung der verschiedenen Hilfsbereiche durch die Kooperation mit den jeweiligen TherapeutInnen aus dem Autismus-Therapie-Zentrum und der weiteren Schul- und Umfeldarbeit mit der Schulassistenz.
Regelmäßige Supervision, Team- und Elternarbeit, Weiterbildung sowie Dokumentationszeiten ergänzen die Bausteine des autismusspezifischen Konzeptes der Schulassistenz.

Ziele

Im Vordergrund steht die Eingliederung und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, insbesondere die Eingliederung und Inklusion in soziale Gruppenprozesse im schulischen Rahmen und Sicherstellung einer angemessenen und menschenwürdigen Beschulung d.h:

  • Eingliederung in das Sozialgefüge Schule, Schulklasse und Unterricht
  • Teilhabe im Sozialgefüge Schule und Schulklasse durch konkrete Einbindung in das schulische und unterrichtliche Geschehen sowie  Partizipation an Bildungs- und Lerninhalten
  • Teilhabe im Sozialgefüge Schule unabhängig von der Schulform, denn viele autistische SchülerInnen benötigen Schulbegleitung auch an den Förderschulen

Teilhabe im Sozialgefüge Schule, denn grundsätzlich basiert jede Schulform auf sozialer Interaktion, die genau eines der zentralen Kernprobleme der autistischen Behinderung ausmacht 
Teilhabe und wirkliche Partizipation an Schule und Unterricht kann bei Schülerinnen und Schülern mit einer autistischen Behinderung nur dann zum Wohle des Kindes qualitativ gut gewährleistet werden, wenn sich notwendige assistierende Hilfen an den besonderen Bedarfen und an den spezifischen Ressourcen des jeweiligen Kindes mit Autismus ausrichtet.
 

Die zu gewährende Schulassistenz ist demzufolge eine notwendige Unterstützung während des Schulbesuchs, bei schulischen Veranstaltungen und in der beruflichen  Ausbildung (Berufsschule).
Die ambulanten Leistungen der Schulassistenten zielen darauf ab

  • den Schulbesuch der jeweiligen Schüler und SchülerInnen, Auszubildenden mit Autismus im Rahmen der allgemeinen Schulpflicht, sowie eine berufliche Ausbildung zu ermöglichen, zu erleichtern und zu unterstützen
  • behinderungsbedingte Defizite soweit wie möglich ausgleichen zu helfen
  • das Ruhen der Schulpflicht verhindern zu helfen
  • die gemeinsame Unterrichtung von Schülerinnen und Schülern mit und ohne Behinderung fördern zu helfen
  • Akzeptanz und Rücksichtnahme bei allen Mitschülerinnen und Mitschülern sowie bei allen Studierenden zu wecken und zu fördern

Bei Interesse an einer autismusspezifischen Schulassistenz durch autismus Saarland e.V. oder Fragen zur Thematik wenden Sie sich bitte an:

autismus Saarland e.V.
-Schulassistenz-

Tanja Moser-Praefcke, M.A.

Telefon: 0681-9387837

e-mail: schulassistenz@autismus-saarland.de
Internet: www.autismus-saarland.de